Hotel "Holsteinische Schweiz"

Der Namensgeber

Der Standort dieses Hotels gehört zu Krummsee (Rövkampallee 2-4). Wegen seiner überragenden Bedeutung für die Entwicklung des Fremdenverkehrs vor und nach 1900 findet es in der "Chronik von Malente-Gremsmühlen" von H. J. Bartels besondere Erwähnung, die wir hier auszugsweise wiedergeben: Der reiche Eutiner Kaufmann Johannes Janus gedachte, dem erfolgreichen Hotel Gremsmühlen Konkurrenz zu machen. Er plante, im Dieksee-gehege einen Hotelbau zu errichten. Doch die Eutiner Regierung verweigerte den Verkauf. Der Ankauf des Brahmberges zerschlug sich wegen der hohen Forderung der Regierung. Als Fried-rich Bade die kleine Neversfelder Koppel gegen-über dem Bahnhof kaufte, weil er befürchtete, Janus könnte auch hier einen idealen Standort für seine Hotelpläne sehen, sah sich Janus nach einer anderen Gegend um. 1882 hatte Janus mit dem Dampfboot "Uklei“ die Kellersee-Schifffahrt gegründet. Laut Werbeprospekt ging die Fahrt zu den schönsten Punkten der Holsteinischen Schweiz. Janus setzte durch, den Kellersee durch reizvolle Anlagen zu verbessern. Am schönsten Platz des Kellersees, auf einer Terrasse in der sogenannten Krummseer Schafweide mit der einmaligen Aussicht über den See, fand Janus, was er suchte, und er-richtete 1884/85 einen Hotelneu-bau. Das "Familienhotel ersten Ranges“ wurde am 20. Mai 1885 eröffnet. Es erhielt den Namen "Hotel Holsteinische Schweiz". Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Hotelführung erlebte das Hotel unter dem Direktor Richard Schmidt einen ungeheuren Aufschwung. Die Logierzimmer reichten nicht mehr aus und so wurde 1886 ein zusätzliches Logierhaus mit 50 Zimmern im Schweizer Stil errichtet, der Schweizer Hof. 1909 wurde das Hauptgebäude umgebaut, erweitert und entsprechend den gewachsenen Ansprüchen der Gäste mit Zentralheizung und allem Komfort ausgestattet. Mit der Neueröffnung erhielt das Hotel die Bezeichnung Kur-haus Holsteinische Schweiz. Der 1. Weltkrieg brachte den gesamten Fremdenverkehr und besonders den Kurbetrieb fast zum Erliegen.

Bilder aus der blühtezeit des Hotels

Das Hotel verzeichnete nun finanzielle Verluste. So war der Eigentümer froh, als 1916 zwei Bremer Kaufleute an dem Kurhaus Interesse fanden und es kauften. Sie wollten aber den Hotelbetrieb nicht weiterführen, sondern schenkten das Anwesen mit dem großen Park dem Deutschen Reich als Genesungsheim für Marinesoldaten und nannten es "Marine-Genesungsheim Prinz Albert“. Die Marinesoldaten wurden von einem Marinearzt betreut. Die Eutiner Regierung verlegte die Landstraße, die vorher unmittelbar vor den Häusern verlief und das Grundstück teilte, um die Häuser herum. Nach Kriegsende, als es kaum noch eine Kriegsmarine gab, wurden auch Heeressoldaten aufgenommen. Im Winter 1922 legte ein Großbrand den Schweizer Hof in Schutt und Asche. Es wurde an der Stelle wieder ein Logierhaus errichtet, jedoch in schlichter Bauweise. Mit dem neuen Namen Schweizer Haus blieb nur noch eine Erinnerung an das schöne alte Gebäude. Im Zweiten Weltkrieg wurde auch das Marine-Genesungsheim dem großen Marinelazarett Malente angegliedert und um etliche Holzbaracken erweitert. Nach dem Krieg übernahm die LVA Schleswig-Holstein die Holsteinische Schweiz genannte Liegenschaft als Lungenheilstätte für Tuberkulosekranke. Später, im September 1966, als die LVA die Heilstätte nicht mehr benötigte, richtete die Landesregierung im Haupthaus die Landesfinanzschule ein. Aus dem Schweizer Haus zusammen mit der Dependance unten am See, dem früheren Ärztehaus, wurde im Jahre 1965 ein Ferienwohnheim des Sozialwerks des Auswärtigen Amtes. Das Haus am See wurde wenig genutzt, stand zeitweise leer und wurde Ende 1990 abgerissen.

*Wussten Sie, dass der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, von 1993 bis 1994 stellvertretender Leiter der Landesfinanz-schule in Malente-Krummsee war? (Anm. d. Red.)

Die schönste Aussicht über den Kellersee hatte man von der "Bastei", der Terrasse vor dem Hotel Holsteinische Schweiz.

Quelle: Hans Joachim Bartels "Chronik von Malente-Gremsmühlen", Verlag Husum 2008, S. 267-268